Muraqaba (Selbstkontrolle)

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Muraqaba bedeutet im Allgemeinen ,Beobachtung’, ,Aufsicht’ und ,in dem Bewusstsein leben, kontrolliert zu werden’. Die Sufis verstehen darunter, ,das Herz ganz auf Gott ausrichten, ohne an etwas anderem festzuhalten’, ,das fleischliche Selbst von allen verbotenen Dingen fern halten’, ,überzeugt sein, dass das Wissen Gottes alles umfasst’ und ,in Übereinstimmung mit den Göttlichen Geboten leben’.

Man kann muraqaba auch als Versuch interpretieren, den Willen Gottes zu befolgen und ein Leben in größtmöglicher Aufrichtigkeit und in dem Bewusstsein zu führen, ständig von Gott kontrolliert zu werden. Möglich wird dies durch die Überzeugung, dass der Allmächtige alles sieht, was der Mensch tut, alles hört, was er sagt, alles weiß, was er denkt und was ihm zustößt, und alles registriert, was auf irgendeine Weise vom Menschen ausgeht. Der Koran erinnert uns daran im Vers Und es gibt nichts, weder etwas Kleineres als dies noch etwas Größeres, das nicht in einem Buch voller Klarheit stünde.[1]

Wenn muraqaba bedeutet, dass das Herz des Menschen der Erinnerung an alles, was Gott missfällt, und allen Gedanken und Vorstellungen, die ihn von Gott trennen, gegenüber verschlossen bleibt, wenn sie bedeutet, dass sich der Mensch vergegenwärtigt, was ihn die Tatsache vergessen lässt, dass Gott ihn allzeit überwacht, und durch welche negativen Betrachtungen sein Verhalten negativ beeinflusst wird, wenn sie bedeutet, dass sich der Mensch darauf besinnt, dass alle Kanäle des Geistes, die in der Lage sind, Strahlen aus der Ewigkeit zu empfangen, den Geschenken und Vergünstigungen Gottes offen stehen – wenn muraqaba all diese Bedeutungen trägt, dann müssen wir uns in Erinnerung rufen, was von uns gefordert wird, und wir müssen uns so weit wie möglich allem öffnen, was da kommen mag. Den ersten Schritt in Richtung muraqaba unternehmen wir, wenn wir als wertvoll betrachten, was Gott uns befiehlt, als wertvoll zu betrachten, wenn wir für wertlos halten, was Gott uns befiehlt, für wertlos zu halten, und wenn wir Seinen Willen und Seine Wünsche über unsere eigenen stellen. Sich über die Gnade Gottes Gedanken zu machen, bestärkt die Liebe des Menschen zu Gott und seinen Wunsch, Gott zu verehren; die Reflexion über Furcht und Ehrfurcht gegenüber Gott wiederum lässt uns den Appetit auf Sünden verlieren und zwingt uns, unser Leben achtsam zu leben. Muraqaba versetzt den Menschen in die Lage, alle Vorstellungen und Pläne aufzugeben, die den Wunsch des Herzens nach Verehrung beeinträchtigen, und verhält sich dabei wie ein Filter, der zur Reinigung von Flüssigkeiten benutzt wird. Muraqaba ist das Bemühen des Menschen, all seine Gedanken, Vorstellungen und Absichten selbst dann rein zu halten, wenn er allein ist, da er sich der ständigen Kontrolle durch Gott bewusst ist.

Muraqaba ist einer der wichtigsten Wege, die direkt zu Gott führen, ohne dass man einen Führer benötigte. Sie trägt den Anstrich bedeutender Heiligkeit – einer Heiligkeit, die sich der Mensch dadurch erwirbt, dass er der Mission des Propheten (der Mission, die Botschaft Gottes zu vermitteln, auch ohne einem bestimmten spirituellen Orden anzugehören) direkt nachfolgt: Reisende auf dem Weg der muraqaba können sich Gott in ihrer Hilflosigkeit und Not zu jeder Zeit und an jedem Ort zuwenden. Wenn sie ihrer Bedürftigkeit Ausdruck verleihen, wird ihnen ein ,privates Treffen’ mit Ihm gewährt. Während sie die Natur beobachten, fühlen sie die permanente Kontrolle durch Gott und reinigen ihr Bewusstsein von allem, was der Beschäftigung mit Ihm im Wege steht. Wenn sie ihre Ohren öffnen, verschließen sie sich allen Geräuschen und Stimmen, die keinen Bezug zu Gott haben. Während sie über das Dasein sprechen, singen sie das Loblied auf die Schönheit und die Gnade Gottes und halten es für sinnlos, sich über Dinge zu unterhalten, die nichts mit Ihm zu tun haben. Denn wenn uns die Augen nicht daran erinnern, Ihn zu sehen, die Ohren, Ihn zu hören, und die Zunge, von Ihm zu sprechen, worin bestände dann der Sinn dieser Organe? Sie wären darauf reduziert, reine Fleischstücke zu sein. Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi sagte:

„Gott, der Allmächtige, beschrieb Sich Selbst als den Sehenden, um euch vor allem Übel zu warnen; er nannte sich den Hörenden, um euch zu raten, nichts Schlechtes zu sagen. Er bezeichnete sich als den Allwissenden, um euch anzudeuten, dass Er euch kennt, und euch auf diese Weise zu ermahnen, eure Gedanken und Vorstellungen nicht verkommen zu lassen.

Ar-Rumi betrachtete die Selbstkontrolle als Schutzschild vor schlechten Emotionen, Gedanken, Neigungen und Handlungen und verstand sie als den sichersten Weg, die Rechte Gottes zu beachten.

Der erste Schritt in Richtung Selbstkontrolle ist, sich dem Willen und den Zielen Gottes zu unterwerfen und davon überzeugt zu sein, dass Er allgegenwärtig und Sich all unserer Gedanken, Vorstellungen und Taten bewusst ist. Dieser Schritt bedeutet, fest von dem Vers Und Allah wacht über alle Dinge.[2] überzeugt zu sein.

Der zweite Schritt zur Selbstkontrolle fordert vom Eingeweihten, sich Gott in einem ausgeglichenen Gemütszustand zuzuwenden und den Fluss der Gaben und des Glanzes Gottes in sein Herz geduldig zu erwarten. Diese Art der Zuwendung erfordert weder die Bindung an einen geistigen Führer noch die regelmäßige Rezitation der Namen Gottes. Wenn sich der Eingeweihte jedoch lieber einem Führer anschließen möchte und Gottes Namen so rezitiert, wie die Scharia es vorsieht, wird dies sein Vorhaben sicher begünstigen. Der Eingeweihte, ob der ersten oder zweiten Stufe zugehörig, wird auf seinem Weg zur Selbstkontrolle sicher voranschreiten und gegen alle Abweichungen gefeit sein, solange er sich gemäß der Prophetentradition Vollkommene Tugend heißt, Gott zu verehren, als würde man Ihn sehen. Selbst wenn du Ihn nicht siehst, sieht Er dich ganz gewiss. verhält. Außerdem muss er sich selbst vor Gott als hilflos, elend und bedürftig betrachten und glauben, dass Gott der Einzige ist, auf den er vertrauen kann und der ihm Hilfe gewährt.

In den Seelen derer, die auf dem Pfad der Selbstkontrolle so weit gegangen sind, wird mit der Zeit eine neue Eigenschaft erscheinen, die wir ,Wachsamkeit des Herzens’ nennen und mit deren Hilfe sie den Geschenken und Strahlen des Einen Gottes gegenüber immer empfänglich sind.

Einer der wichtigsten Mechanismen der Selbstkontrolle ist muhasaba (Selbstkritik). Durch Selbstkritik – die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu kontrollieren, eigene Fehler und Sünden zu erkennen und sich der Gründe und Impulse bewusst zu sein, die zu einem Fehlverhalten verleiteten – findet der Eingeweihte die Wahrheit in seinem Herzen und lernt, sie auch in seinem Verhalten zu zeigen. In seinem Geist manifestiert sich die Bedeutung der Tradition Ehre sei dem, der mich sieht, der meinen Aufenthaltsort kennt und meine Worte hört.[3], und er spürt ganz genau, dass das Wissen und der Wille Gottes ihn stets kontrollieren. Wo er auch ist, und was er auch tut – immer strebt er Sein Wohlgefallen an und bemüht sich, in Übereinstimmung mit Seinen Wünschen zu handeln.


[1] Der Koran, 10:61
[2] 33:52
[3] Bukhari, Iman, 37; Muslim, Iman, 7"

 

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