Eine abschließende Anmerkung zum Thema Buddhismus

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Der Buddhismus gilt als eine Religion ohne Gott oder eine Eschatologie. Dies ist wohl auf seine Konzentration auf die spirituelle Vervollkommnung und Läuterung des Individuums und auf ein harmonisches Gemeinschaftsleben zurückzuführen. Buddha betonte die Oberhoheit der Ethik. Seine Weltanschauung war praktisch und beruhte auf Erfahrungen. Er tolerierte keine Lehrmeinungen, die den Geist vom zentralen Problem des Leides, von der Ursache des Leides und ihrer Beseitigung und von der Bedeutung der moralischen Verpflichtung zu trennen schienen. Daher wäre es falsch zu behaupten, der Buddhismus würde ein Höchstes Wesen direkt und absolut zurückweisen.

Das Fazit Wendy Ericksons, einer kanadischen Schriftstellerin, zur ‚objektiven’ Natur Gottes ist in diesem Punkt sehr aussagekräftig:

"In seinem Buch ‚Medusa’s Hair’ hat uns Ganannath Obeyesekeri verdeutlicht, dass buddhistische Asketen in Indien das Göttliche auch heute noch als schmerzhafte (und gleichzeitig ekstatische) Einverleibung durch ein anderes Wesen erleben, das völlig von ihren Körpern Besitz ergreift.

Die Erfahrung hat die Menschen in allen religiösen Traditionen veranlasst, unterschiedliche Aussagen über die ‚objektive’ Natur Gottes oder die letzte Realität zu treffen. Buddhisten haben die letzte Realität als Einheit, Kreativität oder Bewusst-Sein beschrieben. Juden, Christen und Muslime haben die letzte Realität als transzendente Liebe, Macht und, ja, auch als Kreativität wahrgenommen. Monistische Hindus empfinden die letzte Realität als verborgenes Selbst oder als Atman, der mit der Gottheit Brahman identisch ist. Wenn die Liebe die vorherrschende Empfindung ist, wird die Transzendenz oft in Anbetung und Mitgefühl gegenüber den Mitmenschen gesucht. Gläubige Menschen versuchen, über ihre eigenen Grenzen hinaus zu schauen, indem sie erkennen, dass sich die Welt nicht um sie dreht. Es gibt eine letzte Realität, die jenseits ihres Selbst existiert. Diese ist viel größer, als sie selbst es sind, und in mancher Hinsicht auch viel realer. Das Gebet stellt für den Gläubigen eine Möglichkeit dar, ein Gefühl für die Gegenwart Gottes zu bekommen. Diese Realität (Gott) existiert auch in jedem Individuum."

Was Buddha über seinen Glauben und seine Mission sagt, deutet darauf hin, dass sein Ziel darin bestand, eine Gesellschaft zu etablieren, die auf moralischen Werten und einer Verringerung der Leiden ihrer Individuen gründet, und nicht auf einer Zurückweisung von Glauben und transzendenter Realität:

"Unterscheidet stets zwischen dem, was ich erklärt, und dem, was ich nicht erklärt habe. Und was habe ich nicht erklärt? Ich habe nicht erklärt, dass die Welt ewig ist. Ich habe nicht erklärt, dass die Welt nicht ewig ist… Ich habe nicht erklärt, dass Seele und Körper identisch sind. Ich habe nicht erklärt, dass der Mönch, der Arahat erreicht hat [ein in Triebfreiheit Vollendeter geworden ist], nach seinem Tod existiert. Ich habe nicht erklärt, dass das Arahat nach dem Tod nicht existiert… Ich habe nicht erklärt, dass das Arahat nach dem Tod weder existiert noch nicht existiert…Und warum habe ich das nicht erklärt? Weil das der Religion nicht nützt und auch mit ihren grundlegenden Prinzipien nichts zu tun hat. Darum habe ich es nicht erklärt. Und was habe ich erklärt? Ich habe über das Leid gesprochen. Ich habe über den Ursprung des Leids gesprochen. Ich habe über die Verringerung des Leids gesprochen; und ich habe über den Weg zur Verringerung des Leids gesprochen. Und warum habe ich das erklärt? Weil das der Religion nützt, mit ihren grundlegenden Prinzipien zu tun hat und der Vermeidung von Leidenschaft, dem Wissen, der höchsten Weisheit und dem Nirvana zu Gute kommt."[1]


[1] Warren, Henry Clarke, Buddhism in Translation, Harvard University Press 1922, S. 122

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