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Der negative Blick auf die Türkei in Österreichs Medien

Die Berichterstattung über Themen, die mit türkischen Angelegenheiten zu tun haben, ist dem Integrationsprozess nicht dienlich.

Als jemand, der seit Langem in Österreich lebt und die Blickwinkel von Österreichern wie Türkischstämmigen kennt, kann ich die Integrationsdebatte gut mitverfolgen. Es ist für mich daher höchst fraglich, ob beziehungsweise auf welche Weise die in den österreichischen Medien regelmäßig erscheinenden Artikel über die Türkei und türkischstämmige Personen in Österreich für den Integrationsprozess hilfreich sein können.

Diese Artikel werden stets aus einem negativen Blickwinkel geschrieben. Die Journalisten beschäftigen sich meistens mit „Hintergründen“ von manchen türkischen Vereinen in Österreich, die mangels Alternativen nun einmal zum Bestand der türkischen Gemeinschaft gehören, und sie bringen dann gerne Klischees zu Papier. Die Artikel haben meistens Titel wie „Für immer Türke?“, „Die Türken in Österreich – ewige Außenseiter?“

Die Berichte gehen aber nicht darauf ein, warum es diese Vereine gibt, und verschweigen auch, dass Österreich sein Angebot für die türkische Gemeinschaft erst in den letzten Jahren zögerlich vergrößert hat. Es sollte daher niemanden wundern, dass Themen wie Bildung und Glaube in selbst gewählten Organisationsformen behandelt werden. Jedenfalls wäre es besser, die so gezeigte Energie nutzbar zu machen und sie nicht zu kritisieren.

Beispielsweise hat der „türkische“ Kleinhandel die Nachfolge des Greißlers angetreten und wird ob seiner menschlichen Nähe gerne auch von „Österreichern“ den großen Supermärkten vorgezogen.

Einige wichtige Fragen

Mein werter Kollege Michael Fleischhacker, der gefordert hat, dass türkischstämmige österreichische Staatsbürger sich über ihre Staatsangehörigkeit entscheiden müssen, sollte selbst die Antworten auf einige Fragen finden.

Wie bereit ist die österreichische Gesellschaft wirklich, jene Türken, die bereits eingebürgert sind und sich selbst als Österreicher sehen, zu akzeptieren? Welche Maßnahmen treffen die Politiker für die Arbeitslosigkeit unter den österreichisch-türkischen Jugendlichen und wie sehen ihre Lösungen für die Aufstiegschancen in die Mittelschicht aus? Und warum werden auf der einen Seite die Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei gelobt, schlägt die Rhetorik beim Blick auf die Prozente aber in Härte und Demagogie um? Dies sind nur einige von zahlreichen Fragen, die man in diesem Zusammenhang stellen kann.

Die Rolle der Medien

Ich schlage vor, nicht nach Schuldigen zu suchen, sondern konkrete Lösungsvorschläge zu machen und diese umzusetzen. Deswegen habe ich auch die Ernennung eines 24-jährigen Staatssekretärs mit Hoffnung begrüßt. Ich meine auch, dass die vorhandenen Probleme von den Diskussionen über religiöse und ethische Fragen getrennt werden sollen.

Ich versuche die auftretenden Schwierigkeiten bei einem einfachen Schritt, wie etwa der Einführung der türkischen Matura, durch die Debatten über die slowenischen Ortstafeln zu verstehen. Jedes Land besitzt eine eigene Charakteristik, und ich erweise dieser bewusst Respekt.

Jedoch spielen gerade die Medien eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung von Bildern und Vorstellungen in den Köpfen der Einzelnen. Dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein.

Ich bin absolut dagegen, dass versucht wird, die Auflagen durch die Wörter „Türkei“, „türkisch“ zu steigern. Falls diese Menschen in der Zukunft dieses Landes eine Rolle übernehmen sollen, so ist es nur von Vorteil, wenn der Integrationsprozess beschleunigt wird. Wir stehen alle auf einem gemeinsamen Boden. Als Zuwanderer habe ich das Bedürfnis, mich dieser Gesellschaft zu erklären. Obwohl einige meine Werte nicht respektieren, werde ich trotzdem die Werte dieses Landes respektieren.

Warum will man den Ergenekon-Prozess abwerten? Ich werde nicht auf die Thesen von Emine Ülker Tarhan und Detlef Kleinert in der „Presse“ eingehen, für die es weder Beweise noch Anhaltspunkte gibt.

Die Ergenekon-Causa spielt im Demokratisierungsprozess der Türkei eine wichtige Rolle. Man möchte diese Causa abwerten, die als Anklagepunkte unter anderem detaillierte Pläne zu Mordanschlägen, Attacken auf die demokratische Ordnung der Türkei, Putschversuche sowie das Schüren rassistischer Ressentiments und terroristische Anschläge beinhaltet.

Zuerst richtig informieren

Niemand hat das Recht dazu, diesen Prozess, der von vielen Intellektuellen und von der Europäischen Kommission als Schlüssel für die Demokratisierung der Türkei gesehen wird, abzuwerten. Führt man sich die Vergangenheit der Türkei mit Militärputschen und allen demokratischen Problemen vor Augen, ist es lächerlich, zu behaupten, dass diese Causa von einer bestimmten „Bewegung“ forciert wird.

Fethullah Gülen, der im Kommentar von Kleinert als Despot bezeichnet wurde, steht für religiöse und interkulturelle Toleranz, für gesellschaftlichen Frieden, für Freundschaft, gegenseitiges Verständnis und für Versöhnung.

Bevor man sich eine Meinung über jemanden bildet, ist es ratsam, sich zuerst richtig zu informieren. In diesem Zusammenhang kann man sich auch an viele westliche Intellektuelle und deren Bücher und Artikel wenden. Wie zum Beispiel Rainer Hermann, Jill Carroll, Helen Rose Ebaugh, Thomas Michael und viele mehr.

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