Tage der Niedergeschlagenheit und unser Atlas der Hoffnung

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Tage der Niedergeschlagenheit und unser Atlas der HoffnungDie Menschheit hat bis zum heutigen Tage viel Positives geleistet und so manche bedeutende Erfindung hervorgebracht. Den enormen Anstrengungen der Vergangenheit ist es zu verdanken, dass die Menschen der Gegenwart zumindest theoretisch ein komfortableres Leben genießen können als jemals zuvor in der Geschichte. Auch wenn auf der Grundlage der heutigen Erkenntnisse über die Zukunft nur spekuliert werden kann, beschreiben die Zukunftsforscher die Welt von morgen als einen Ort, der für Menschen, die das Körperhafte und die fleischlichen Genüsse in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, so reizvoll sein wird, dass sie darüber sogar das Paradies vergessen sollten. Angeblich werden die Menschen in der Zukunft aus Gefühl und Leidenschaft handeln und Wert darauf legen, für jede Tat möglichst schnell mit Freude und Vergnügen belohnt zu werden. Mit den Worten von Omar Khayyam werden sie sagen: „Vergangenheit und Zukunft sind reine Legende. Genieße dein Leben, aber ruinier es dir nicht!“ Sie werden im Leben nur noch Essen, Trinken und Schlafen sehen und sich jeweils für diejenigen Lösungen entscheiden, die ihnen den meisten Komfort und die stattlichsten Annehmlichkeiten versprechen.

In vielen entwickelten Ländern ist es schon heute so, und eine Vielzahl von Menschen weltweit sind neidvoll darauf bedacht, diesen Ländern nachzueifern. Sie sprechen über nichts anderes als über materiellen Wohlstand und Luxus, ohne dabei auf andere Werte zu achten oder auch nur wahrhaben zu wollen, dass es noch andere Werte gibt. Doch obwohl die Wissenschaft bemerkenswerte Fortschritte erzielt hat, obwohl uns die Hochtechnologie enorme Möglichkeiten bietet und obwohl wir über noch zahlreiche weitere Mittel verfügen, die uns Wohlergehen und Glück verheißen, sind die Menschen unserer Zeit nicht besonders glücklich; ganz im Gegenteil, sie scheinen tiefer in Sorgen und Nöte verstrickt als ihre Vorfahren. Gleichwohl, wie sollte es auch anders sein? Denn Potenziale, die allein auf diese Welt hin angelegt sind und nicht von einer Verbindung zum Glauben oder zum Wissen um Gott getragen werden, denen kein tieferer Sinn und keine Bedeutung verliehen wird, helfen uns offensichtlich nicht weiter. Stattdessen sollten wir uns lieber ganz klar vor Augen führen, dass wir Menschen in bester Form erschaffen wurden (95:5) und dass in dieser Wahrheit die Essenz unseres Menschseins liegt. Nichts in unserem modernen Zeitalter ist dringlicher. Wir müssen begreifen, dass Spiritualität und Herz uns von anderen Lebewesen unterscheiden; wir müssen unsere Beziehung zum Schöpfer neu überdenken, und wir müssen lernen, uns so zu verhalten, wie es dem Sinn und Zweck unserer Erschaffung angemessen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir erst dann aufblühen und unser Glück finden, wenn wir im Einklang mit unserem menschlichen Kern handeln. Ganz bestimmt aber wird uns kein Erfolg beschert sein, solange wir unseren spirituellen Durst durch Luxus, Komfort und die Befriedigung körperlicher Gelüste unterdrücken, weil wir unsere wahren Probleme einfach nicht erkennen.

Auch wenn diese Probleme von Land zu Land und von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich stark ausgeprägt sein mögen, steckt heute nahezu die ganze Menschheit in einer Sackgasse. In fast allen Gesellschaften wird den Massen, denen es an Glauben und Wissen um Gott fehlt, bewusst oder unbewusst ein unnatürliches und gestörtes Leben aufgedrängt. Ihre Sinne werden permanent gereizt, und man betäubt sie bis zur Besinnungslosigkeit. Natürlich verfügt das Gros dieser sorglosen, gesetzlosen und maßlosen Menschen über keinen gesunden Geist, über kein aufrechtes Denken und auch über kein intaktes Urteilsvermögen. Sie haben kein anderes Ziel und nichts Besseres zu tun, als ihre fleischliche Seite zu befriedigen und sich mit Alkohol und Drogen zu trösten. Entsprechende Gesellschaften werden völlig zu Recht als spirituell tot oder als mit einem Bein im Grabe stehend beschrieben. Für die bedauernswerten Individuen, die das Gefühl, Mensch zu sein, weitgehend verloren haben, ist es ganz normal, abnorme Angewohnheiten zu entwickeln und unter nervösen Störungen, Stress oder Depressionen zu leiden. Mit diesen Krankheiten hat sich der ganze Erdball infiziert. Auch die muslimischen Länder müssen schlimme Zeiten durchstehen und werden von Verzweiflung heimgesucht. Überall auf der Welt sind die Menschen krank und verwirrt, befindet sich ihre Heimat in einem bedauernswerten zerrütteten Zustand. Die Massen sind aggressiv und wie im Delirium, und die Repräsentanten der Macht grausam und unerbittlich. Niemand weiß, wohin das führen wird und welches Ende die Menschlichkeit erwartet.

Aufgrund all dieser Unsicherheiten und des damit einhergehenden Leids weiß die Mehrzahl der Menschen nicht, was für ein Sinn sich in ihrem Handeln verbirgt, für welche Zwecke sie eingespannt werden und auf welche Art von Auflösung und Zerfall sie zusteuern. Die meisten von ihnen haben nicht die geringste Ahnung, was hinter all den gravierenden Problemen steckt und wo die wahren Gründe für den Niedergang der Gesellschaft und den spirituellen Verfall der Massen zu suchen sind. Weil über die Krankheitsursache(n) zu wenig bekannt ist, verpufft ein Großteil der Rettungsmaßnahmen wirkungslos. Über die Anzahl der Menschen, die bis jetzt in der Lage waren, eine korrekte Diagnose der Probleme zu erstellen, lässt sich streiten. Und Gott allein weiß, wie vielen aus diesem überschaubaren Kreis darüber hinaus auch gestattet wurde, ihre Diagnose zu präsentieren.

Aus diesen Gründen ist die Menschheit unglücklich, müde, erschöpft und hysterisch. Zudem trägt sie schwer unter der Last ihres schlechten Gewissens, denn eigentlich verfügt sie doch über hinreichend Mittel, um allen Menschen Wohlstand bieten zu können. Individuen und Gemeinschaften leiden an einer beängstigenden Leere, die entstanden ist, weil sie vergessen haben, wer ihr Herr ist. Diese Leere äußert sich darin, dass wir uns gegen unsere ursprüngliche Natur auflehnen, dass wir Glauben und Weisheit vernachlässigen und dass wir uns in die Fallgruben des fleischlichen Selbst haben locken lassen. Deshalb leben wir in ständiger Angst und Unsicherheit, ganz als würden wir die Korridore der Hölle durchschreiten. Diese Leere lässt sich weder durch ein Leben in Luxusbauten noch durch schöne Kleidung kompensieren. Manche flüchten vor ihr ins Delirium der Trunkenheit, andere suchen Zufriedenheit in der Befriedigung ihrer fleischlichen Begierden. Jedoch vergeblich; nichts dergleichen vermag die entstandene Lücke zu füllen, und so lässt man sich, aller spirituellen Stärke beraubt, von einem Rausch in den nächsten treiben.

Menschenmassen, die ihrer eigenen Wurzeln beraubt wurden, denen jeder Bezug zur Zukunft fehlt und die sich nicht länger scheuen, Verbrechen zu begehen, sind für zahlreiche Missstände verantwortlich: Fast überall auf der Welt sind Leben und Eigentum der Menschen ebenso bedroht wie Scham und Anstand; und Sicherheitsbehörden müssen sich dafür schämen, dass sie den illegalen Organisationen, die ihnen tagtäglich zu schaffen machen, nicht das Handwerk legen können. Wer all dies im Fernsehen oder in den Zeitungen verfolgt, mag sich fragen, ob nun das Ende der Menschheit gekommen ist, und zittert aus Angst vor einem Vergeltungsschlag Gottes. Nicht ganz zu Unrecht, denn auch Sodom und Gomorra wurden für einen ähnlichen spirituellen Verfall und für den Verlust ihrer Würde dem Erdboden gleichgemacht. Das Volk von Noah wurde für ein Viertel der Unmoral von heute gerichtet; und wenn die vernichteten Völker der Ad, Thamud und Ayka Zeuge dessen würden, was heute geschieht, wären sie wahrscheinlich zutiefst beschämt. Der türkische Dichter Mehmed Akif drückte es einmal so aus:

Bescheidenheit wurde gepredigt, Schamlosigkeit gelebt,
welch hässliche Gesichter dieser dünne Schleier doch zu verhüllen vermochte!
Keine Ehrlichkeit, kein gehaltenes Versprechen, nicht ein Anhaltspunkt für das Wort Vertrauen;
Lügen sind willkommen, Betrug unumgänglich, von Recht keine Spur.
Lass nur die Tugenden in Vergessenheit geraten und das Gewissen schweigen –
hält dieser Verfall der Sitten an, so werden wir unsere Unabhängigkeit verlieren.

Vor dem Hintergrund dieser Realitäten liegt der einzige Ausweg aus den Gefahren unserer Zeit und aus den Fängen der Orientierungslosigkeit im Glauben an Gott, an die Auferstehung und das ewige Leben, im Bewusstsein um die Existenz eines Jüngsten Gerichts sowie in einer neuerlichen Anstrengung, uns selbst wiederzufinden und zu neuem Leben zu erwachen. Sämtliche anderen Heilmittel, die bisher ausprobiert wurden, sind augenscheinlich von keinerlei Nutzen.

Die ganze Gesellschaft ist krank, und der Glaube ist die Medizin.
Andere Arzneien bereiten nach Glauben dürstenden Seelen nur Qualen.
Warten wir es ab, vielleicht wird Gott der Allmächtige uns eines Tages die Augen öffnen.

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